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Auf ein kühles Blondes: Am 23. April ist Tag des Bieres

Junge und coole Menschen segeln übers Meer. Ein Lied von Joe Cocker läuft, alle haben Spaß an Bord. Jeder hat eine Flasche Bier der Marke in der Hand, die mit diesem Spot Werbung im Fernsehen  macht. Ganz klar: Das Gemisch aus Wasser, Hefe und Malz soll für mehr Lebensqualität sorgen.

 

„Diese sogenannte Becks-Erfahrung haben meine Patienten ganz bestimmt nicht“, sagt Hermann Grandt, Facharzt für Innere Medizin am Marien Hospital Dortmund, der Alkoholkranke behandelt, anlässlich des Tags des deutschen Bieres am 23. April. „Die Verknüpfung mit jungen, dynamischen und hippen Leuten ist sehr problematisch.“ Grandt will niemandem den Spaß am geselligen Bier nehmen, sagt von sich selber: „Ein kühles Bier in einem Biergarten bei heißem Wetter ist wunderbar.“ Doch er warnt: Es gebe etliche Menschen, für die das eine oder andere Bier ein Einstieg ist. In Missbrauch oder Abhängigkeit.

 

Dabei geht es laut Grandt gar nicht um Häufigkeit oder Menge. Wer zum Beispiel am Wochenende „einen über den Durst“ trinkt, ist noch lange kein Alkoholiker. Auch das Feierabendbier ist erst einmal unbedenklich.

 

„Mitentscheidend ist u.a. eine zunehmend sich verändernde innere Einstellung zum Alkohol“, sagt Grandt. Sollte man das Gefühl haben, nicht mehr auf das Bier verzichten zu können, ist das dem Mediziner zufolge schon sehr kritisch. „Es geht um den möglichen Verlust der Steuerungsfähigkeit.“
Um herauszufinden, ob jemand gefährdet ist, abhängig zu werden, kann zum Beispiel der aus fünf einfachen, zwanglos  in ein Gespräch einfügbaren Fragen bestehende  CAGE-Test angewendet werden:


- Hatten Sie jemals das Gefühl, Sie müssten Ihren Konsum an alkoholischen Getränken verringern? (Cut down)
- Hat Ihr Umfeld schon einmal Bemerkungen über Ihren Alkoholkonsum gemacht, die Sie ärgerlich gemacht haben? (Annoyed)
- Hatten Sie schon einmal den Eindruck, dass Sie zu viel trinken, und deshalb ein schlechtes Gewissen gehabt? (Guilty)
- Haben Sie schon einmal am Morgen Alkohol gebraucht, um in Form zu kommen? (Eye opener)

 

Zur Sicherung der Diagnose Alkoholkrankheit sind dann allerdings weitere umfangreichere Gespräche und Untersuchungen erforderlich.

 

Was zu viel Alkohol mit dem Menschen  anrichten kann, das sieht Grandt jeden Tag auf seiner Station. „Alkohol ist in der Lage, den ganzen Körper krank zu machen“, bringt er das Ausmaß auf den Punkt, „denn Alkohol ist ein Zellgift.“ Über kurz oder lang werden zum Beispiel Leber, Nerven, Herz und Blutbildung in Mitleidenschaft gezogen und es besteht auch ein erhöhtes Risiko für bestimmte Arten von Krebserkrankungen.

 

 Wer risikoarm – nicht risikofrei! – Alkohol trinken möchte,  sollte folgende Expertenmeinung beherzigen: Als risikoarm werden täglich 24 Gramm Reinalkohol für Männer und 12 Gramm Reinalkohol für Frauen angesehen. Das entspräche beispielsweise, um aus gegebenem Anlass beim Bier zu bleiben  0,6 Liter beziehungsweise 0,3 Liter Bier täglich. Wer sich daran  hält, hat sehr wahrscheinlich ein geringeres Risiko, aufgrund des Alkoholkonsums körperlich zu erkranken, als jemand, der mehr trinkt. „Einen Schutz vor der Entwicklung einer Abhängigkeit bedeutet das allerdings nicht“, gibt Grandt zu bedenken.

 

Alkoholfreies Bier hält der Mediziner trotz minimalen Restalkoholgehalts übrigens für unbedenklich – zumindest in körperlicher Hinsicht. „Trockenen“ Patienten, also denjenigen, die das Trinken hinter sich gelassen haben, würde er aber nicht zum alkoholfreien Bier raten. „Die Nähe zum Original ist zu groß: Es zischt beim Öffnen, es gluckert beim Einschenken, es wird aus der Flasche getrunken. Das kann einen Rückfall befördern.“

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