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Burn-out: Wer zu viel Gas gibt, brennt aus

„Es ist wie bei einem Kredit – wer sein eigenes Energiebudget dauerhaft überzieht, immer mehr Kraft aufwendet, als er eigentlich hat, verschuldet sich", vergleicht Chefarzt Dr. Harald Krauß vom Marien Hospital in Hombruch. „Und wie bei einem Kredit zahlt man auch ein überzogenes Energiekonto irgendwann zurück – mit Zinsen!" Das Burn-out-Syndrom ist keine neue Krankheit, „früher hieß es Erschöpfungsdepression". Tatsächlich ist der Übergang von einer mentalen Erschöpfung über den Burn-out zur Depression fließend. Ein Burn-out kommt schleichend und trifft Menschen, die über längere Zeit sehr eingespannt sind und dabei die Grenzen ihrer Belastbarkeit so ausgereizt haben, dass sie sich auch in Ruhephasen nicht mehr erholen können.

 

In die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Marien Hospital kommen diese Menschen, wenn sie schließlich kaum noch Schlaf finden, keine Freude und Motivation mehr entwickeln können, vielleicht Suizidgedanken hegen und oft trotzdem der Meinung sind, sie müssen sich einfach nur mehr zusammenreißen. „Nein, das müssen sie nicht", sagt Dr. Harald Krauß. Am Marien Hospital werden sie aufgefangen und in die Lage versetzt, ihre Energiespeicher wieder aufzufüllen. Häufig kommt es zum Burn-out, wenn die Belastungen im Beruf übermäßig sind und sich gleichzeitig im Privaten Probleme und Pflichten häufen. „Aber auch wer nur in einem der beiden Bereiche über seine Kräfte geht, kann betroffen sein", sagt Dr. Krauß. Es trifft die Besten: „Gefährdet ist, wer immer alles perfekt und richtig machen will. Und zwar auch dann noch, wenn das Aufgabenvolumen wächst und wächst." Oft sind seine Patienten über lange Zeit besonders erfolgreich gewesen und haben dabei noch andere unterstützt. Stagniert der Erfolg, werden die Anstrengungen verstärkt und die eigenen Bedürfnisse immer weiter vernachlässigt. Anstatt das Aufgabenvolumen zu reduzieren, suchen die Betroffenen die Ursachen für das Gefühl der Überlastung bei sich und strengen sich immer mehr an – bis es zu Depressionen und körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Herz- oder Magenproblemen kommt.

 

„Burn-out ist reversibel", sagt Dr. Krauß. Zusammen mit seinem Team aus 19 Ärzten, dazu Therapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter und Pflegekräfte, behandelt er viele Patienten, die ihr Energiekonto oft restlos heruntergewirtschaftet haben. Junge Erwachsene sind ebenso darunter wie Senioren. „Unsere Patienten sollen sich nicht gesundschlafen – das funktioniert nicht", sagt Dr. Krauß. Im Gegenteil sollen die Betroffenen aus der Resignation und dem Rückzug herausfinden und das Gefühl für ihre Bedürfnisse zurück erlangen. „Es ist kein Egoismus, wenn man auch an sich denkt." Erholung ist für jeden etwas anderes: „Das hat etwas mit der Persönlichkeit zu tun – der eine regeneriert beim Sport, der andere hört Musik", sagt Dr. Krauß. Gleichzeitig werden Methoden erarbeitet, eine Überforderung rechtzeitig zu erkennen und mit ihr zurechtzukommen.

 

Manchmal wird der Weg klarer, wenn man den Irrweg benennt: „Wer sein Burn-out erhalten und pflegen will, sollte sich möglichst unerreichbare Ziele setzen (lassen), beharrlich auch nur den Gedanken an eigene Überlastung ablehnen und keinem zeigen, dass etwas anstrengend ist. Wer seinen Burn-out vergrößern will, sollte als Einzelkämpfer das Privatleben vernachlässigen, keinesfalls den Beruf oder den Aufgabenbereich wechseln, sondern die Zähne zusammenbeißen, durchhalten und professionelle Hilfe ablehnen", summiert Dr. Krauß die gängigsten schädlichen Faktoren.

 

Dagegen setzt er ein Konzept, das die Patienten individuell betrachtet und jede und jeden Einzelnen wieder zum Herrn der eigenen Situation macht. Wichtig ist, nicht bis zum Zusammenbruch weiter zu arbeiten. „Rechtzeitig behandelt könnte mancher Klinikaufenthalt vermieden werden", weiß Dr. Krauß. Auch im Alltag kann man etwas für seine psychische Gesundheit tun. Besonders erfolgreich: „Natur erleben. Wind, Sonne und Regen. Am Besten in Bewegung, aber Studien haben ergeben, dass Natur allein immer noch besser wirkt als Sport allein." Und kann Dr. Krauß mit all seinem Vorwissen für sich selbst einen Burn-out völlig ausschließen? „Nein, natürlich nicht", lacht er. „Der Wegweiser geht auch nicht in die Richtung, in die er zeigt…."

 

Zu erreichen ist unsere Klinik für Psychiatrie und Psychotherapia im Marien Hospital in Dortmund Hombruch unter der Telefonnummer (0231) 7750 - 45500.

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