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Darmkrebsmonat März

Tumore wachsen oft jahrelang und sehr langsam

Entscheidend für eine gute Prognose ist die frühzeitige Erkennung von Darmkrebs. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen sind manchmal schicksalsentscheidend“, sagt Dr. Kester Tüffers, Koordinator des Darm Zentrums Dortmund und Oberarzt in der Gastroenterologie der Inneren Klinik II am St.-Johannes-Hospital. Auch Chefarzt PD Dr. Ralf-Georg Meyer betont: „Rechtzeitig erkannt ist die Krankheit gut behandel- und sogar heilbar.“

 

Darmkrebs ist eine stille Gefahr. Tumore wachsen oft jahrelang und sehr langsam, ohne Symptome zu verursachen. Sie können, bis sich erste Beschwerden bemerkbar machen, bereits ein Jahrzehnt unbemerkt geblieben sein. Wird zum Beispiel bei einem 60-Jährigen ein Tumor diagnostiziert, kann sich eine Vorstufe, der so genannte Darmpolyp, bereits im Alter von 50 Jahren oder früher gebildet haben. „Eine wichtige Aufgabe der Vorsorge-Koloskopie ist es, diese Darmpolypen rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen, bevor sie sich zu einem Darmkrebs entwickeln können“, so Dr. Tüffers. Schwierig wird es dann, erklärt der Gastroenterologe, wenn bei der Spiegelung festgestellt wird, dass Polypen so tief in der Darmwand sitzen, dass man sie nur mühsam heraustrennen kann, ohne Verletzungen zu verursachen. Aber auch in diesen Fällen muss nicht gleich „richtig“ operiert werden. Die endoskopischen Werkzeuge sind mittlerweile in der Lage, die festsitzenden Polypen mit der umgebenden Darmwand mit all ihren Schichten anzusaugen, abzuschneiden und wieder sicher zu verschließen. Diese so genannte „endoskopische Vollwand-Resektion“ wird im St.-Johannes-Hospital nach einem zertifizierten Verfahren durchgeführt.

 

Mit derzeit rund 70.000 Neuerkrankungen ist Darmkrebs in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung überhaupt. Der Darmkrebsmonat März, den die Felix-Burda-Stiftung zusammen mit der Stiftung „LebensBlicke“ und dem Netzwerk gegen Darmkrebs seit 15 Jahren initiiert, steht deshalb ganz im Zeichen der Vorsorge und soll auf die Möglichkeiten der Früherkennung aufmerksam machen. Wie wichtig Prävention ist, belegt auch eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Demnach ist die Zahl der Neuerkrankungen seit Aufnahme der Vorsorge-Darmspiegelung in das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm zurückgegangen. Empfohlen wird die Vorsorge-Koloskopie ab 55 Jahren.

 

In rund 90% der Fälle entsteht Darmkrebs aus zunächst gutartigen Darmpolypen. Die dafür verantwortlichen Genveränderungen an der Darmschleimhaut sind Wissenschaftlern heutzutage weitgehend bekannt. Mit jeder weiteren kritischen Mutation verliert die Zelle ihr geordnetes Wachstum. Zunächst entsteht ein gutartiger, später ein bösartiger Tumor. Weitere Infos: www.darmkrebs.de

 

Vorsorge-Koloskopie

Die zuverlässigste Methode zur Früherkennung ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Sie ermöglicht es, auch kleine Veränderungen der Darmschleimhaut sicher zu erkennen und sofort zu entfernen. Dadurch kann Darmkrebs erst gar nicht entstehen. Untersucht wird der gesamte Dick- und Enddarm mit Hilfe eines Endoskops. Das ist ein biegsamer, etwa fingerdicker Schlauch mit einer kleinen Kamera, die Bilder aus dem Darminneren liefert. Finden sich verdächtige Gewebewucherungen, können die für den Eingriff notwendigen Instrumente ebenfalls durch den Schlauch eingeschoben werden. Im St.-Johannes-Hospital kommen hochmoderne Endoskope zum Einsatz, die in HD-Qualität arbeiten.

 

Tastuntersuchung

Die Austastung des Enddarms ist eine einfache Untersuchungsmethode, mit der der Arzt Tumore ertasten kann. Da sich viele Darmtumore aber in anderen, höher gelegenen Abschnitten befinden, ist diese Methode für sich alleine genommen für die Darmkrebsvorsorge nicht ausreichend.

 

Okkult-Bluttest

Darmpolypen und Tumore sondern oft Blut ab. Dieses Blut ist mit bloßem Auge meist nicht zu erkennen. Mit einem Bluttest können unsichtbare (okkulte) Blutspuren im Stuhl nachgewiesen werden.

 

Kapselendoskopie

Die Kapselendoskopie ist eine Darstellung des Darms mittels einer Minikapsel, die vom Patienten geschluckt wird und dann drahtlos Bilder aus dem Darm an einen Recoder liefert, der am Körper getragen wird. Diese werden anschließend an ein PC-System übertragen und mittels einer speziellen Software ausgewertet. Dabei liefert die neueste Kapselgeneration Bilder, die qualitativ einem Endoskop ebenbürtig sind. Bei auffälligen Befunden muss allerdings anschließend eine herkömmliche Darmspiegelung erfolgen, um Gewebeproben zu entnehmen bzw. krankhafte Bereiche abzutragen.

 

Virtuelle Koloskopie

Bei einer virtuellen Koloskopie wird kein Untersuchungsgerät in den Darm eingeführt. Stattdessen fertigen die Ärzte Aufnahmen des Darms mittels einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) an. Diese an sich „schonenderen“ Verfahren haben allerdings auch Nachteile: Bei der CT spielt vor allem die Strahlenbelastung eine Rolle. Experten gehen davon

aus, dass dieses Risiko den Nutzen derzeit nicht rechtfertigt – auch wenn die Untersuchung als vergleichsweise zuverlässig gilt. Die MRT-Koloskopie dagegen befindet sich noch in der technischen

Entwicklung. Sie ist derzeit noch nicht zuverlässig genug, um sie als Früherkennungsmethode einzusetzen.

 

Immunologischer Test

In den letzten Jahren sind mehrere Tests auf den Markt gekommen, die Blut im Stuhl mit einer anderen Methode nachweisen: Sie verwenden Antikörper, die spezifisch an den Blutfarbstoff Hämoglobin binden. Der Vorteil dabei: Sie weisen tatsächlich nur menschliches Blut nach und sind deshalb weniger störanfällig – zum Beispiel durch rohes oder nicht durchgebratenes rotes Fleisch, das man vorher gegessen hat. Diese neuen Verfahren bezeichnet man fachsprachlich als „immunologische fäkale Okkultbluttests“, abgekürzt iFOBT, manchmal auch als „fäkale immunchemische Tests“, abgekürzt FIT. In der aktuellen Leitlinie zum Darmkrebs empfehlen

Fachleute nur solche Tests, deren Spezifität über 90 Prozent liegt. Das bedeutet: Bei weniger als einer von zehn Personen, bei denen der Test anschlägt, darf ein falscher Alarm vorliegen. Diese Anforderungen erfüllen im Moment nicht alle immunologischen Tests, die angeboten werden.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem aktuellen Jo.Do: http://www.st-johannes.de/files/st-johannes-hospital/dokumente-st-johannes-hospital/JoDo_Maerz_2017.pdf

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