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Dialyse-Patient bewältigt Krankheit mit Kreativität

Alexander Hirschfeld bastelt Phantasiegeschöpfe aus Dialyse-Schläuchen.
Alexander Hirschfeld bastelt Phantasiegeschöpfe aus Dialyse-Schläuchen.

Figuren mit glitzernden blauen Augen und spiralförmigen Ohren, Raupen, Taucher, Außerirdische, alle sehr freundlich, kunstvoll gesteckt, geklebt, geschnitten und geflochten. Sie stehen auf Schlauchklemmen als Füßen, haben Pumpensegmente als Bäuche, sind aus Druckableitungsfiltern, Luftfängern und Kanülenschläuchen stabil zusammengesetzt. Alexander Hirschfeld bastelt Phantasiegeschöpfe aus Dialyse-Schläuchen.


Seit 2011 verbringt der Vierzigjährige dreimal in der Woche jeweils viereinhalb Stunden im DialyseZentrum des St.-Johannes-Hospitals. Eben hat er ein schmackhaftes Frühstück bekommen, mit Brötchen, Ei und Aufschnitt. Sein linker Arm ist über einen Shunt an die Dialysemaschine angeschlossen. Neben ihm arbeitet die lebenswichtige Maschine leise und stetig daran, sein Blut von schädlichen Stoffwechselprodukten zu reinigen „Ich beneide die Leute, die  dabei schlafen können“, sagt er. Gegen Mittag wird er nach Hause gehen, sich leicht fühlen, leider auch etwas erschöpft. Aber dann hat er wieder beide Hände frei für sein Hobby.

 

Die Materialien, Kunststoffe und Zellulose, die biegsam und widerstandsfähig sind und sich dennoch weich anfühlen, haben Alexander Hirschfeld schon gereizt, als er vor 1992 noch in Kasachstan lebte. Damals hat er sie zum Basteln aus der Klinik seiner Heimatstadt bekommen. Es gab nicht so viel verschiedene Schläuche wie hier, wer hätte gedacht, dass er sie jemals selbst als Patient brauchen würde. Die von ihm verwendeten Teile kamen nie an Patienten zum Einsatz und wären sonst entsorgt worden. Stationsleiter Ludger Schulenberg hat verdutzt geguckt, als sein Patient ihn das erste Mal fragte, ob er die überschüssigen Schläuche haben kann. Mittlerweile werden die nicht eingesetzten Teile automatisch für Alexander Hirschfeld beiseitegelegt.

 

Im Gegenzug stehen einige Skulpturen als farbige Dekoration an gut beleuchteten Stellen der Dialysestation. Sie verstärken den fast familiären Charakter: „Die meisten Patienten kommen über viele Jahre mehrfach in der Woche für einen halben Tag zu uns. Da tritt der medizinische Aspekt manchmal in den Hintergrund, und wenn es in der Familie eine Einschulung oder Hochzeit gibt, dann erfahren wir das auch“, sagt Schulenberg.

 

Das Team aus Schwestern und Pflegern legt großen Wert darauf, den Klinikalltag auf der Station so angenehm wie möglich zu gestalten. Also geht es ruhig zu, viele Patienten vertreiben sich die Zeit mit Lesen oder einem der über 30 Fernsehprogramme, die an jedem Bett separat empfangen werden können. Auch ein Sportsender des Bezahlfernsehens ist darunter – zur Freude der Patienten, die noch berufstätig sein können und deshalb in der Spätschicht ab 17.30 Uhr zur Dialyse kommen: Sie sehen dann gerne den BVB. Wer sich lieber selbst bewegt, kann das auf einem speziellen Dialysefahrrad tun. Eine Patientin ist damit besonders eifrig, bevor sie nicht 30 Kilometer gefahren ist, hört sie nicht auf. „Einzelne Patienten kommen seit über 18 Jahren“, sagt Schulenberg. Die Wartezeiten für eine Spenderniere sind im Moment auf durchschnittlich sieben Jahre gestiegen.


Auch Alexander Hirschfeld wartet auf ein Spenderorgan. Dann wird er vielleicht wieder als Elektriker arbeiten können, so wie vor seiner Erkrankung. Bis dahin geht er weiter kreativ mit dem Material um, von dem sein Leben abhängt.

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