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Hier ist Expertenwissen gefragt

Die Zeit heilt alle Wunden? Zumindest im wörtlichen Sinne stimmt das nicht immer. Rund vier Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an einer chronischen Wunde – also an einer Verletzung, die auch nach sechs bis acht Wochen nicht verheilt ist. Für Ärzte und Pflegekräfte bedeutet das eine große Herausforderung. „Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist neben der Ursachenerkennung und -therapie eine moderne Wundversorgung“, betont Thomas Schulte, Leitender Oberarzt im Marien Hospital
Hombruch.

Die von Chefarzt Dr. Klemens M. Sondern geleitete Klinik für Innere Medizin hat sich auf Patienten mit Diabetes mellitus spezialisiert. Das diabetische Fußsyndrom ist eine gefürchtete Spätkomplikation. Mit dem Druckgeschwür (Dekubitus) und dem meist durch eine Venenschwäche verursachten „offenen Bein“ (Ulcus cruris) zählt es zu den drei Hauptdiagnosen chronischer Wunden. Die Behandlung ist oft schwierig und langwierig. „Wundmanagement ist Puzzlearbeit. Dazu gehört, Wundflüssigkeit unter die Lupe zu nehmen, Abstriche auf Keime zu untersuchen, die entsprechende Stelle genau zu vermessen und den Verlauf täglich zu dokumentieren“, gibt Oberarzt Schulte Beispiele. Er engagiert sich in dem Expertenverbund „Initiative Chronischer Wunden“ und trägt sein Wissen über die Etablierung eines Wundforums in alle Einrichtungen der Kath. St.-Johannes-Gesellschaft. Denn, so Thomas Schulte: „Wenn die schon jetzt vorhandenen Kenntnisse und Erfahrungen in der Prophylaxe und Therapie von chronischen Wunden konsequent und überall genutzt werden, kann das Patienten viel Leid ersparen.“

Wundforum Hombruch in der St.-Johannes-Gesellschaft
Anliegen des regelmäßig stattfindenden Wundforums ist es, Mediziner und Pflegekräfte auf hohem Niveau für die Versorgung von aller Art chronischer Wunden zu qualifizieren. Es gibt Gastreferenten und unterschiedliche Schwerpunktsetzungen - von der richtigen Lagerung des Patienten über Antibiotikatherapie bis hin zu Verbandswechsel und Entlassmanagement. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird dabei groß geschrieben. „Sie ist stationär und ambulant eine unerlässliche Voraussetzung für den Heilungserfolg“, so Thomas Schulte. Er erklärt: „Die Kette darf nicht unterbrochen werden. Mediziner verschiedener Fachrichtungen, Pflege, Orthopädietechnik, Podologie, Physiotherapie, Ernährungsberatung – alle Beteiligten müssen ihre Aufgabe bestmöglich erfüllen und in Kooperation mit dem Patienten Hand in Hand arbeiten.“ Außerdem ganz wichtig: „Der Patient muss verstehen, warum sich die Wunde so entwickelt hat und lernen, was er selbst zur Heilung bzw. Vorbeugung beitragen kann.“ Das Wissen um die optimale Wundversorgung ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Allein die Palette an Verbandsmaterial, die es in den einzelnen Wundphasen richtig einzusetzen gilt, ist für den Laien unüberschaubar. Das Spektrum reicht von hydroaktiven Verbänden, die das erwünschte feuchte Milieu der Wunde regulieren bis hin zu Verbänden, die bereits Arzneimittel enthalten. Regelmäßig muss der Experte die Therapie anpassen. Schmerzen beim Verbandswechsel? In diesen Fällen können vor dem Wechsel der Wundauflage vorbeugend eingenommene schmerzstillende Medikamente oder eine Sedierung im stationären Aufenthalt helfen. Auch die so genannte Vakuumversiegelung, die im Marien Hospital zum Einsatz kommt, trägt den Methoden moderner Wundversorgung Rechnung. Mit ihr lassen sich vor allem sehr tiefe Wunden mit Infektionsrisiko heilen. Sie werden dabei mit einem Schwamm versorgt, luftdicht mit einer Folie abgedeckt und über einen dünnen Schlauch an eine Pumpe angeschlossen. „Diese erzeugt im Wundbereich einen Unterdruck, der die Durchblutung der Wunde steigert. Außerdem wird das Wundsekret ständig abgesaugt, was die Wundfeuchtigkeit reguliert und die Wunde letztlich reinigt“, fasst Oberarzt Schulte zusammen. Allerdings: Zaubern kann auch das moderne Wundmanagement nicht. Bis sich intakte Haut bildet, vergehen meist Wochen bis Monate, Rückschläge inbegriffen. Die demographische Entwicklung lässt die Zahl der Patienten mit chronischen Wunden zudem weiter wachsen. Weder innovatives Verbandsmaterial noch moderne Therapien schaffen das Problem schlagartig aus der Welt. Aber dass mit der Zeit doch alle Wunden geheilt werden können ist das Ziel.

Das diabetische Fußsyndrom
Bei Diabetes drohen schon bei kleineren Fehlbelastungen Wunden im Fußbereich. Der Grund: Zum einen beeinträchtigen Nervenstörungen die Schweißproduktion, was die Haut trocken, rissig und damit anfällig macht. Zum anderen führt eine geringere Empfindlichkeit der Nerven zu Fehlbelastungen des Fußes und damit zu Druckstellen mit Hornhautbildung. Kleine Wunden, vielleicht verursacht durch einen Stein im Schuh, nehmen Betroffene bei geschädigten Nerven schlechter wahr. Sie versorgen sie deshalb oft zu spät. Es kommt zu Entzündungsherden. Tiefe Geschwüre können entstehen. Die Klinik für Innere Medizin/Diabetologie des Marien Hospitals ist von der Deutschen-Diabetes-Gesellschaft (DDG) offiziell als besonders qualifizierte Klinik anerkannt. Sie verfügt auch über eine ambulante und stationäre Fußbehandlungseinrichtung, in der Internisten eng mit den anderen Fachabteilungen zusammenarbeiten.

So beugen Sie vor
Wer weiß, dass er an einer Grunderkrankung wie Diabetes mellitus oder Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz) leidet, die die Entstehung chronischer Wunden begünstigt, kann einiges zur Vorbeugung tun.

Wirkungsvolle Maßnahmen gegen das Fortschreiten einer Venenschwäche: Bewegen Sie sich viel, um den Rücktransport des Blutes zu verbessern. Legen Sie, wann immer möglich, die Beine hoch. Duschen Sie Ihre Beine täglich mit kaltem Wasser ab. Sprechen Sie mit dem Arzt
über Kompressionsstrümpfe.

Vorsicht bei Sonne und Hitze.
Sonnenbäder, Saunagänge, Wärmflaschen und heißes Wasser sind weder für Diabetiker noch für Patienten mit Venenschwäche gut. Bei ersteren besteht Verbrennungsgefahr aufgrund der eingeschränkten Empfindungsfähigkeit. Die Venen wiederum leiden unter Hitze, weil sich Blutgefäße erweitern, die Blutzirkulation verlangsamt und Flüssigkeit ins umliegende Gewebe tritt. Der zu hohe Druck kann zum gefürchteten „offenen Bein“ führen.

Achten Sie als Diabetiker auf gute Blutzuckerwerte und kontrollieren Sie täglich Ihre Füße. Nutzen Sie dazu einen Spiegel und achten Sie darauf, dass auch der behandelnde Arzt regelmäßig Ihre Füße inspiziert. Laufen Sie nicht barfuß, verwenden Sie nur Nagelfeilen und
keine Scheren. Tragen Sie bequeme und ausreichend weite Schuhe. Strümpfe sollten aus Baumwolle sein, keine drückende Naht haben und täglich gewechselt werden.

Grundsätzlich gilt:
Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung, bauen Sie mögliches Übergewicht ab, verzichten Sie auf das Rauchen.

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