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Schrittmacher hilft bei Blasenfunktionsstörung

Etwa 9 Millionen Menschen in Deutschland leiden an irgendeiner Art von Blasenschwäche. Das schätzt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft. Grundsätzlich sind Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer. Besonders belastend ist der quälende Drang, die Blase entleeren zu müssen. „Diese Frauen ziehen sich zurück und nehmen oft gar nicht mehr am normalen Leben teil“, weiß der Gynäkologe PD Dr. med. Georg Kunz, der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Johannes-Hospital in Dortmund.

 

In Dortmund bieten Kunz und sein Team der Frauenklinik nun die sogenannte Sakrale Neuromodulation an. Bei dem operativen Verfahren bekommt die Patientin mit Blasenfunktionsstörung einen Schrittmacher unter der Haut eingesetzt. Die Elektroden leiten schwächste und nicht wahrnehmbare Stromstöße an die Blase. „Der Schrittmacher schaltet sich in den Datenverkehr der Nervenautobahnen zwischen Großhirn und Blasenzentrum ein“, erklärt Kunz. Dieses Verfahren wird sowohl bei überaktiver, als auch bei inaktiver Blase angewendet.

 

Jedes Jahr beraten Kunz und seine Oberärzte hunderte Patientinnen mit Blasenfunktionsstörungen. „Die meisten leiden schon seit Jahren darunter, ehe sie sich zu uns trauen“, sagt Kunz. Medizinisch  sei es nicht nachteilig, mit der entsprechenden Behandlung erst nach Jahren zu beginnen. „Aber es ist schade für die Frauen, die sich unnötig lange mit dieser Einschränkung herumplagen“, so Kunz. Wer erst einmal die persönliche Hemmschwelle überwunden und sich zu den Spezialisten ins JoHo begeben hat, der erhält alle Informationen zu den Therapiemöglichkeiten. Vielen Patientinnen hilft eine Östrogenisierung der Scheide, auch medikamentös kann eine Blasenfunktionsstörung behandelt werden. Schlagen diese Verfahren nicht an, gibt es die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten: Sakraler Neuromodulation oder Botox-Injektionen während einer Blasenspiegelung. Letztere bieten die Ärzte des JoHo nur selten an. Der Grund: Die Prozedur muss alle 6 bis 9 Monate wiederholt werden, die Erfolgsrate dieser Behandlung kann von Mal zu Mal schlechter werden.

 

Patientinnen, die sich zur Sakralen Neuromodulation ins JoHo begeben, werden zwei Mal stationär aufgenommen. In einem ersten Eingriff in kurzer Vollnarkose werden feine Elektroden über einen kleinen Einstich am unteren Teil des Rückens an den entsprechenden Nerv heran geführt. Der angeschlossene elektrische Schrittmacher wird noch nicht unter der Haut implantiert. Die Patientin durchläuft eine ambulante Testphase, ob die Elektrostimulation ihre Blasenbeschwerden lindert oder gar davon befreit. Verläuft diese Testphase für die Patientin positiv, werden in einem zweiten operativen Eingriff  bleibende Elektroden implantiert und der Schrittmacher dauerhaft etwa  auf Höhe des  Beckenkamms unter die Haut implantiert.

 

„Die größte Hürde für eine erfolgreiche Therapie ist die Überwindung der Scham“, sagt Kunz. Betroffene lädt er in die Inkontinenzsprechstunde ein, die dienstags von 8 bis 16 Uhr stattfindet. Eine vorherige Anmeldung unter der Rufnummer (0231) 1843 – 35611 und eine Überweisung des niedergelassenen Arztes sind erforderlich.

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