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Medizintechniker halten alles am Laufen

Medizintechnische Geräte müssen funktionieren. Sie müssen geprüft, gewartet und repariert werden. Schneller Eingriff ist oft gefragt. Dann gilt es, Prioritäten zu setzen: Was muss zuerst instand gesetzt werden? Beatmungsgeräte auf Intensivstationen haben Vorrang vor dem EKG-Gerät, für das ein Ersatz besorgt werden kann. Der OP-Tisch ist wichtiger als das Bett auf der Station.

 

Der Medizintechniker benötigt viele fachliche Kompetenzen. Die Palette der von ihm betreuten Geräte reicht vom Fieberthermometer bis zum Kernspintomographen, von der Infusionspumpe bis zum Dialysegerät. Er kümmert sich um Mechanik, Elektronik, Optik, Netzwerktechnik. In seiner Verantwortung liegt die Funktionsbereitschaft von Betten und Liegen ebenso wie die von Fahrradergometern und Überwachungsmonitoren. In großen Kliniken wie dem Dortmunder St.-Johannes-Hospital und dem St. Marien-Hospital in Hamm umfasst der Gerätepark viele tausend technische Installationen, die für die medizinische Versorgung der Patienten unverzichtbar sind. Wenn sie ausfallen, stockt der Betrieb. Das erschwert die Behandlungsabläufe und es kann sehr viel Geld kosten. Ein Operationssaal, der nicht zur Verfügung steht, fährt Verluste ein.

 

Gerätestörungen werden über ein internes Meldewesen via EDV in der medizintechnischen Abteilung gemeldet. Hier wird die Dringlichkeit eingeschätzt. Bei Ausfällen in kritischen Versorgungsbereichen bleibt alles andere stehen und liegen. Ein Patient im Katheterlabor, der nicht weiterbehandelt werden kann, eine Überwachungseinheit, die auf der Intensivstation den Dienst einstellt, ein Laken, das sich im MRT-Tisch verklemmt, all dies kann nicht warten. Und so ist der Medizintechniker ständig auf dem Sprung, wenn Not am Mann ist.

 

Ein Strauß von Maßnahmen und Verfahrensweisen sorgt dafür, dass die Sicherheit der Patienten jederzeit gewährleistet ist. Das beginnt mit dem Vorhalten von überzähligen Ersatzgeräten. Uwe Karstens, der Leiter der Medizintechnik am St.-Johannes-Hospital spricht von "Überhanggeräten" und nennt als Beispiel die Nephrologie, wo Dialyse-Einheiten schnell ausgewechselt werden können. In hoch spezialisierten Bereichen arbeiten fachlich besonders qualifizierte Techniker, die für ganz spezielle Aufgaben zuständig sind. Dazu gehören beispielsweise die Kardiotechniker in der Herzchirurgie oder die Medizinphysiker in der Strahlentherapie und der Nuklearmedizin. Für die Funktionsbereitschaft von Computertomograph, Kernspintomograph und anderen Großgeräten werden die Hersteller mit ins Boot geholt. Die Medizintechniker bieten einen First-Line-Service vor Ort. Das heißt, sie prüfen in telefonischer Rücksprache mit dem Hersteller, suchen nach dem Problem, beheben kleinere und größere Störungen oder installieren vorübergehende Lösungen und ordern gegebenenfalls den Reparaturdienst. "75 Prozent der Probleme können wir mit unserem First-Line-Service beseitigen", sagt Erhard Zwick, der Leiter der Medizintechnik am St. Marien-Hospital.

 

Neben der Reparatur gehört die Wartung zu den unabdingbaren Maßnahmen, die die Betriebsbereitschaft der medizintechnischen Gerätschaften aufrecht erhalten. Der Gesetzgeber schreibt genau vor, wie oft und in welchem Umfang was geprüft werden muss. So testen die Medizintechniker regelmäßig, ob Infusionspumpen mit korrekter Förderrate arbeiten oder ob die Hochfrequenzchirurgiegeräte, die in der Chirurgie blutarm schneiden, auf die richtige Wattzahl eingestellt sind. Einen nicht zu unterschätzenden Zeitbedarf fordern in diesem Zusammenhang elektrische Betten und Liegen ein. "Betten sind heutzutage High-Tech-Produkte mit beweglichen Elementen, die elektronisch gesteuert werden", betont Zwick. "Da gibt es Kabel und Schalter, die schnell Defekte aufweisen." Jede medizintechnische Installation oder Apparatur hat eine Vita, die akribisch dokumentiert wird. "Wir haben ein internes Verwaltungsprogramm, in dem alle Geräte inventarisiert sind", erläutert der Dortmunder Medizintechnikchef Karstens. "Hier wird jede Maßnahme, jede Reparatur, jede Kontrolle und jede Wartung eingetragen. Anhand dieser lückenlosen Lebensläufe können wir auf Knopfdruck sagen, welche Kosten bei einem bestimmten Gerät in den letzten Jahren aufgelaufen sind. Wir können auch Häufungen von Defekten oder Ausfällen feststellen."

 

"Bei wiederkehrenden Gerätestörungen forschen wir im Lebenslauf nach", ergänzt sein Hammer Kollege. "Häufig werden dadurch Anwenderfehler aufgedeckt. Dann gehen wir auf die Abteilungen zu und nehmen auch den Hersteller in die Pflicht. Schadensdokumentation erhöht die Sensibilität für den korrekten Umgang und ist Basis für die Beurteilung, ob sich im Einzelfall eine Reparatur noch lohnt."

 

Eine ganz wichtige Voraussetzung für die Funktionserhaltung, die Betriebssicherheit und den sinnvollen Einsatz am Patienten ist natürlich, dass die Anwender in der Lage sind, die ihnen anvertrauten Geräte korrekt und sachgerecht verwenden zu können. Einweisung und Schulung gehören deshalb ebenfalls zu den Aufgaben der Medizintechniker. Darüber hinaus erhalten die Mitarbeiter der Klinik Herstellerschulungen. Insbesondere bei sensiblen Instrumenten wie Endoskopen oder Kathetern hilft die intensive Anleitung sehr, um Schäden im Umgang zu vermeiden. "Manche Geräte", so Karstens, "werden nicht so oft eingesetzt. Deshalb empfehlen wir Nachschulungen und die Anwender sind aufgefordert bei Unklarheiten oder Unsicherheiten bei den Gerätebeauftragten auf den Stationen aktiv nachzufragen."

 

Die Medizintechniker verstehen sich selbst als ein internes Dienstleistungsunternehmen. Ihre Kunden sind die Abteilungen und Stationen der angeschlossenen Kliniken. Und die müssen jederzeit schnell und so gut wie möglich bedient werden. Am spannendsten sind dabei Einsätze in Anwesenheit der Patienten. Es kommt vor, dass der Medizintechniker während der Operation benötigt wird, weil beispielsweise der OP-Tisch klemmt, berichtet der Hammer Abteilungschef. Er erinnert sich noch genau an seinen ersten Gang in den OP: "Das war schon ein komisches Gefühl. Ich habe dem Anästhesiepfleger gesagt, du bleibst neben mir stehen, falls ich umkippe. Mittlerweile sind solche Einsätze natürlich längst Routine geworden."

Uwe Karstens (im Bild) leitet die Medizintechnik am St.-Johannes-Hospital. Erhard Zwick leitet die am St. Marien-Hospital.
Uwe Karstens (im Bild) leitet die Medizintechnik am St.-Johannes-Hospital. Erhard Zwick leitet die am St. Marien-Hospital.

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