Startseite > Meldungen (Details)

Warum uns Stress auf den Magen schlägt

Wir hetzen von Termin zu Termin, wollen Job und Familie perfekt unter einen Hut bringen und dann auch noch unsere Freunde nicht vernachlässigen. Doch plötzlich streikt der Körper: Bauchschmerzen, Krämpfe und Übelkeit machen uns zu schaffen, wenn wir gerade das wichtige Gespräch mit dem Chef führen müssen. Dr. Harald Krauß erklärt, warum Stress uns tatsächlich auf den Magen schlagen kann.

„Was im Kopf vor sich geht, betrifft nicht nur das Gehirn. Innere Unruhe und Anspannung können Beschwerden im ganzen Körper nach sich ziehen. Nur ist das vielen Menschen nicht bewusst“, erklärt der Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Marien Hospital Hombruch. Die Folge: Viele Betroffene haben zahlreiche Arztbesuche hinter sich,
bevor feststeht, dass organisch alles in Ordnung ist und die Ursache für Magen- und Verdauungsprobleme ganz woanders zu suchen ist. Medizinisch lassen sich die Bauchschmerzen vor Prüfungssituationen, bei Ärger mit den Kollegen oder zu Beginn einer großen Reise so erklären: Magen und Darm sind mit unserem vegetativen Nervensystem eng verknüpft. Stehen wir unter Druck, bekommen auch sie die Folgen zu spüren, wenn der Körper Stresshormone ausschüttet. Unser Herz schlägt schneller und der Blutdruck steigt, um Organe und Muskeln schnell mit Sauerstoff und Nährstoffen für die Gefahrensituation zu versorgen. Gleichzeitig wird der Sauerstoffträger Blut aus den Verdauungsorganen abgezogen, um hier nicht unnötige Energie zu verschwenden. Sie stellen ihre Tätigkeit weitgehend ein und transportieren die Nahrung nicht mehr weiter. „Dieser Mechanismus bereitete schon die Menschen in der Steinzeit auf Angriffs- und Fluchtsituationen vor“, so Dr. Krauß. „In milder Form kann das ein Bauchdrücken verursachen. Im Extremfall will der Körper die Nahrungsreste so schnell wie möglich wieder loswerden. Erbrechen oder Durchfall sind die Folgen.“ Hinzu kommt: Viele Menschen, die gestresst sind, essen hastiger und ungesünder als sonst, greifen zu Zigaretten oder Alkohol, schlafen unruhig. Das belastet den Magen-Darm-Trakt zusätzlich. Doch warum reagieren die Menschen so unterschiedlich? Warum bleiben die einen ruhig und entspannt, die anderen aber leiden psychisch und körperlich? „Das ist zum Teil angeboren, zum Teil aber auch erworben“, sagt der Chefarzt. Wichtig ist für die Betroffenen zu lernen, mit dem Stress umzugehen oder wenn möglich, besonders belastende Situationen durch eine Neustrukturierung des Alltags zu vermeiden.


DAS TUT IHNEN GUT
Regelmäßige Entspannungsübungen und ausgleichender Sport können helfen. Auch wer um den Zusammenhang von Körper und Psyche weiß und vor absehbaren Stress-Situationen nur leichte Mahlzeiten zu sich nimmt, trägt zur Minderung der Beschwerden bei. Eine weitere Möglichkeit: Verhalten unter Druck bewusst trainieren. Das übt nicht nur, sondern härtet auch ab. Denn Körperreaktionen sind zumindest in einem begrenzten Maß erlernbar.

Zurück